Veränderung bedeutet Chaos und auf ein Wunder vertrauen.
Auf einer Karte las ich neulich einen wunderbaren Spruch:
Veränderungen sind am Anfang hart,
in der Mitte chaotisch
und am Ende wunderbar.
Am Anfang dachte ich nur ‚Was ein schöner Spruch, um sich aufrecht zu halten, wenns mal hart ist‘. Dann schaute ich aber nochmal gernauer hin und tatsächlich lässt sich dieser Spruch mit der systemischen Theorie genau herleiten.
Wenn wir uns vorstellen, dass wir alle eine innere Ordnung haben, können wir gut nachvollziehen, dass Veränderungen unsere innere Ordnung erst einmal über den Haufen schmeißt. Die Veränderung bringt also unsere innere Ordnung in einen chaotischen Zwischenzustand. Das bringt sowohl eine gute und eine schlechte Nachricht mit sich. Die schlechte Nachricht ist: Dieser Zustand fühlt sich nicht gut an. Wir haben vermutlich schon alle mal so einen Zustand erlebt, indem etwas Altes schon nicht mehr aktuell war und das Neue aber noch nicht greifbar war (z.B. ein Job). Solange das Neue noch nicht greifbar ist, können wir also auch noch keine neue Ordnung in uns herstellen. Die gute Nachricht ist: Dieser sich-mies-anfühlende-Zwischenzustand zeigt uns an, dass sich etwas in uns neu ordnet. In dem Moment, in dem wir das wahrnehmen, können wir uns ein bisschen zurück lehnen und entspannen.
Es ist zwar nicht alles „in Ordnung“, aber ich bin gerade dabei mich neu zu ordnen und zu sortieren.
Auch hier ist die deutsche Sprache doch wunderbar: Wenn wir jemanden fragen, wie es ihm/ ihr geht, und derjenige antwortet „Es ist alles in Ordnung“, sagt er/sie sehr präzise aus, dass sein inneres System aktuell geordnet und nicht chaotisch ist. Was auch immer das in dem Moment heißen möge. Wenn das innere System in seiner Ordnung ist, gibt das Sicherheit und sagt aus, dass wir uns in unserer Comfort-Zone befinden. Das kann mit Wohlbefinden und Vitalität einhergehen, aber auch mit dem „gewohnten Trott“ oder dem „alltagsgrau“.
Warum ist Veränderung am Ende wunderbar?
Zu dem Zeitpunkt, wenn sich unser inneres System neu ordnet, haben wir womöglich noch gar keine Idee davon, wie die neue Ordnung aussehen kann. Daher fühlt sich das Endergebnis vermutlich wie ein kleines Wunder an und vielleicht braucht es in unseren Augen auch manchmal dieses Wunder.
Wenn wir uns in diesem chaotischen Zwischenzustand befinden, sind wir auch empfänglicher für äußere Reize, die mit dem Thema der Veränderung zusammenhängen. Dadurch öffnen wir unseren Geist für kleine und größere Wunder.
Denn vielleicht ist es nur ein Lied im Radio, ein Spruch auf einer Werbetafel oder eine Begegnung bei einem Spaziergang, was uns den entscheidenden Gedanken beschert, wofür wir uns erst öffnen mussten. In diesem Sinne können wir uns das nächste Mal, wenn wir einen dieser chaotischen Zwischenzustände bemerken vielleicht ein bisschen entspannter sein und darauf vertrauen, dass sich eine neue Ordnung einstellen wird und unser Geist jetzt offen für Wunder ist.
